Ihr Einkauf (die Zeitung für den Konsumenten), 21/94
Robert A. Herzner
Essen: Heiß macht krank!
Es geht nicht auf die berühmte Kuhhaut, was bereits aus medizinischer, reformerischer und religiöser Sicht über die "richtige" Ernährung des Menschen geschrieben wurde. Eines ist diesen Ernährungsvorschriften gemeinsam: Sie nehmen den Betroffenen vorübergehend oder für immer viel Freude am Essen oder Trinken. Weshalb vermutlich so viele Leute lieber krank werden als sich Gedanken darüber zu machen, was und wie sie essen und trinken.
Die neueste Revolte gegen herrschende Ernährungsgewohnheiten ist medizinisch abgesichert und berücksichtigt die biologischen "Urzustände" bei unseren Vorfahren. Dr. Heinz Lütgendorff-Gyllenstorm, Facharzt für Innere Medizin, hat erkannt: Jede Speise im Mund, die wärmer ist als 37 °C, schädigt die Schleimhäute des Gaumens und Rachens und fördert in der Folge Erkältungskrankheiten wie Husten, Schnupfen und grippale Infekte, Inhalations- und Nahrungsmittelallergien, Asthma bronchiale, Neurodermitis, Gastritis und noch einiges mehr.
Tatsächlich haben wir das Gefühl für die Temperatur der Speisen und Getränke im Mund verloren. Will man dieses Gefühl wiedergewinnen, muss man mit einem Speisenthermometer prüfen. Und wird leider entdecken, dass Speisen und Getränke von 37 °C bestenfalls als "lauwarm" bezeichnet werden können. Denn wir sind Heißgetränke, Suppen, Pürees, Gemüse etc. mit durchschnittlich 55 bis 70 °C gewohnt.
Die Empfehlung, nichts über 37 °C zu essen oder zu trinken, ist Grundlage einer von Dr. Lütgendorff-Gyllenstorm entwickelten neuen Therapie der geschädigten Schleimhaut des Gaumens und Rachens. Die Erfolge sind eindrucksvoll (seit 1985 an etwa 2.700 Patienten). Bei konsequenter Durchführung wäre eine deutliche Abnahme der von den oberen Luft- und Speisewegen ausgehenden Infektionserkrankungen zu erwarten, Asthma bronchiale würde seine Schrecken verlieren und Gastritis wäre noch leichter zu beherrschen.
Für Ärzte, Ernährungsfachleute, Reformköstler sowie unter genannten Krankheiten chronisch Leidende gibt es eine übersichtliche Broschüre von Dr. med. Heinz Lütgendorff-Gyllenstorm unter dem Titel "Risikofaktor Nahrung mit mehr als 37 °Celsius": 72 Seiten, Spiralbindung, samt beigefügtem Thermometer um S 248,- vom Verlag Wilhelm Maudrich, Spitalgasse 21, 1096 Wien. Das Geleitwort von Univ.-Prof. Dr. Gerd Zechner, Vorstand der Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen im Krankenhaus der Stadt Wien-Lainz, bestätigt den medizinischen Ernst der Sache.
Wichtig zu Beginn der kalten Jahreszeit: Gerade bei Gaumen- und Rachenentzündungen sind also heißer Tee, heiße Milch oder Glühwein nicht so heilsam.
