Kleine Zeitung, 30.1.1996
Risikofaktor Nahrung
Arzt warnt: "Wir essen zu hastig und zu heiß"
Zu den bekanntesten Risikofaktoren zählen Übergewicht, Rauchen, Alkoholkonsum, Stress, Bewegungsmangel, hoher Blutdruck, Zuckerkrankheit. Ein zusätzliches Risiko wird oft übersehen: zu heiße Speisen und Getränke.
Der Wiener Facharzt für Innere Medizin, Heinz Lütgendorff-Gyllenstorm, hat sich mit diesem Phänomen ausführlich beschäftigt. Temperaturmessungen von Speisen und Getränken in vielen Restaurants und Werkküchen haben ergeben, dass Suppen bis zu 80 Grad heiß auf den Tisch kamen; Getränke wurden knapp 80 Grad heiß serviert. Ähnliche Gluthitze wurde in einigen Speisen (Saucen, Spinat, Kartoffelpüree) gemessen.
Entzündungen
Bei solchen Temperaturen, sagt Dr. Lütgendorff, kann es zu chronischen Verbrennungen ersten und zweiten Grades kommen. Davon betroffen sind besonders die Schleimhäute im Bereich von Gaumen, Rachen, Speiseröhre und Magen. Viren, Bakterien und Allergene werden dadurch aktiv; Entzündungen können sich bis zum Magen, in die Atemwege und zu den Bronchien ausbreiten. Deshalb warnt der Facharzt mit großem Nachdruck: "Je mehr die Temperatur von Speisen und Getränken über jener des eigenen Körpers liegt, desto größer ist der Schaden an den Schleimhäuten. Nahrung mit mehr als 37 Grad sollte deshalb unbedingt vermieden werden." Dies um so mehr, als es bei dieser "Therapie" - im Gegensatz zu Medikamenten - auch zu keinen Nebenwirkungen kommen kann.
Ein Buch (dem ein Thermometer beiliegt) gibt viele Tipps und informiert ausführlich über dieses Thema. Im Vorwort bestätigt Professor Gerd Zechner: "Zu hastiges Essen und zu heiße Nahrung stehen am Ursprung vieler Krankheiten."
