Maxima

 

Maxima, 3/97

Wunder-Heilmittel kühle Nahrung?

"Keine Nahrung über 37 °C"

Welcher Atemwegserkrankte träumt nicht von einer Therapie ohne Nebenwirkungen, Gegenanzeigen , Wechselwirkungen, Warnhinweisen und Kosten?

Eine solche meint der Wiener Arzt Dr. Heinz Lütgendorff-Gyllenstorm gefunden zu haben. Die Formel lautet schlicht: keine Nahrung zu sich nehmen, die wärmer ist als 37 °C. Die Begründung: Bei Genuss heißer Speisen und Getränke werde jener Schleim, welcher die Schleimhaut vor äußeren Einflüssen schützt, verflüssigt und fließe ab. Die Schleimhaut werde trockener, angreifbar und damit zur Eintrittspforte für Viren, Bakterien und Allergene. Entzündungen von Gaumen und Rachen und schließlich Infektionserkrankungen des Atemtraktes seien die Folge - ob Mandel-, Kehlkopf-, Lüftröhren-, Lungenentzündung oder Bronchitis.

Lütgendorff: "Werden diese Infekte chronisch, begünstigen sie die Neigung zu allergischen Reaktionen und auch die Entstehung von Asthma bronchiale." Ähnliche Entzündungsprozesse spielen sich auch in Speiseröhre und Magen ab. Suppe, Tee und Kaffee werden übrigens mit durchschnittlich 55 bis 70 Grad konsumiert.

Heilung für Asthmatiker

Lütgendorff stützt sich auf zehnjährige klinische Erfahrung an 3000 Patienten: Bei diesen sei es - unter Beachtung weiterer, im Kasten "Außer ´kühl essen´ sollte man ..." angegebenen Empfehlungen - zu einem raschen Rückgang einer Mund- und Rachenschleimhautentzündung gekommen. Dadurch sei eine Hauptursache für viele Folgeerkrankungen beseitigt worden. Einige Asthmatiker seien vollständig geheilt worden. Einleuchtend klingt jedenfalls folgendes Argument: "Voll gestillte Säuglinge nehmen auch nur Nahrung mit Körpertemperatur zu sich. Niemand würde behaupten, das sei zu kalt. Kinder könnten sich diesen natürlichen Instinkt auch bewahren, wenn wir sie nicht sofort umerziehen würden."

Außer "kühl essen" sollte man ...

1. Säureeinwirkung (z. B. kohlensäurehältige Getränke, saures Obst, Cola etc.) vermeiden;

2. keine alkoholischen Getränke konsumieren;

3. keine scharfen Gewürze zu sich nehmenk;

4. nicht zu salzig essen;

5. Austrocknung der Schleimhaut vermeiden (z. B. Kaugummi kauen, nicht auf dem Rücken schlafen);

6. nicht rauchen.

 

Der Genuß heißer Nahrung schädigt die Schleimhaut.

Unser Fazit: Einen Versuch, der noch dazu nichts kostet, ist diese Therapie sicherlich wert. Scheitern könnte sie allerdings bei vielen an der nicht immer vorhandenen absolut notwendigen Disziplin.

Patienten, die bereits unter einer der erwähnten Krankheiten leiden, sollten laut Dr. Lütgendorff in den ersten Monaten auch keine Nahrungsmittel zu sich nehmen, die kühler als 30 bis 35 Grad sind. Ständige Kontrolle mit einem speziellen, quecksilberfreien Thermometer ist notwendig. Die schon geschädigte Schleimhaut verträgt das erst nach erfolgter "Sanierung". Die Aussicht, gesünder zu werden, dürfte aber die Mühe wert sein. Auf jeden Fall sollte sich der Patient mit dem behandelnden Arzt absprechen und laufend zur Kontrolle gehen.

 

Wolfgang Bäcker

"Ich litt ab meinem siebenten Lebensjahr an allergischem Asthma."

"Durch viel Sport und Bewegung in frischer Luft konnte ich meine Asthmaerkrankung halbwegs unter Kontrolle halten. Medikamente musste ich aber regelmäßig einnehmen. Vor etwa zwei Jahren machte mich Herr Dr. Lütgendorff im Rahmen einer Gesundenuntersuchung auf die Temperaturmethode aufmerksam. Ich versuchte, diese recht konsequent zu beachten und konnte nach zirka einem halben Jahr eine deutliche Verbesserung meines Zustandes beobachten. Mittlerweile fühle ich mich unbelastet und kann auf Medikamente weitgehend verzichten. Für mich stellt diese Methode der Temperaturmessung der Nahrungsmittel eine sinnvolle Ergänzung zu anderen gesunden und sinnvollen Maßnahmen dar."

 

Dr. Anna Zimmermann: HNO-Fachärztin in Wien über die

Temperatur von Speisen

"Ich halte diesen Ansatz für spektakulär. Die Temperatur der Nahrung wurde bisher kaum beachtet. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Infektanfälligkeit stark senken lässt. Bei der Heilung von Asthma bin ich aber ein wenig skeptisch. Ich bin überzeugt, dass hier wie bei den meisten Krankheiten verschiedene Faktoren zusammenspielen und eine Therapie daher auf mehreren Ebenen wirken muss."

 

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