Medizin populär, 3/93
Körperwarm statt brennheiß
Nicht alles, was als "altes Hausmittel" empfohlen wird, bewährt sich wirklich. Bei Erkältungskrankheiten beispielsweise kann der so oft angebotene heiße Tee (womöglich mit Rum und Zitrone), der wohlriechende Glühwein oder die propagierte brennheiße Hühnersuppe mehr Schaden als Nutzen stiften. Den niesenden, hustenden und fröstelnden Patienten durchrieselt beim "Genuss" solcher Dinge zwar momentan wohlige Wärme, aber er merkt nicht sogleich, dass dabei die Schleimhäute des Rachens massiv geschädigt werden. Eine nicht intakte Schleimhaut ist nämlich nicht mehr imstande, mit schädlichen Keimen und Viren fertig zu werden. Etwa zwei Tage nach dem Trinken des heißen Gebräus verschlechtert sich der Zustand, und es droht die Gefahr erheblich schwererer Folgeerkrankungen. Daher heißt die Devise bei derartigen "Behandlungen": Das Getränk oder die Speise soll maximal körperwarm (37 Grad) sein. Belegt wurden diese Erkenntnisse in den jüngsten Jahren durch Vorsorgeuntersuchungen bei Wiener Gemeindebediensteten.
| Lippenwarm heißt eigentlich die gesunde Devise. Doch es wird zu heiß gegessen. Temperaturmessungen ergaben Werte bis zu 82 °C statt maximal 37 °C. |
