Mymed.cc, 2.10.2001
Nie wieder verkühlt?
Der Wiener Internist und Vorsorgemediziner Dr. Heinz Lütgendorff-Gyllenstorm will ein Rezept gefunden haben, das gegen die meisten Infektionskrankheiten hilft und gleichzeitig das Gesundheitssystems saniert. Die Details verrät er im Interview mit mymed.cc.
Das Interview führte Peter Seipel
Mymed: Herr Dr. Lütgendorff, Ihr Gesundheitsrezept kommt ganz ohne Medikamente und andere teure Behandlungsmethoden aus. Wie lautet sein Geheimnis?
Lütgendorff: Meine klinischen Erfahrungen aus Vorsorgeuntersuchungen, die ich seit 1985 in der Krankenfürsorgeanstalt der Bediensteten der Stadt Wien durchführe, haben mir einen interessanten Zusammenhang offenbart. Gerade jene Patienten, die bevorzugt heiße Speisen und Getränke konsumieren, leiden am häufigsten unter Infektionen mit Viren und Bakterien. Das reicht von der harmlosen Verkühlung bis zur schweren Grippe und umfasst damit jene Krankheitsbilder, die für etwa 30 Prozent aller Arztbesuche verantwortlich sind.
Mymed: Sind also Tee, Punsch und Glühwein schuld am Ausbruch der Infektionskrankheiten zu Beginn der kalten Jahreszeit?
Lütgendorff: Indirekt ja, denn die Hitze schädigt unsere Schleimhaut in Mund und Rachen und damit unsere wichtigste Barriere gegen das Eindringen von Viren. Eine vollkommen intakte Schleimhaut kann die meisten Viren und Bakterien aufhalten. In den Gesprächen mit meinen Patienten hat sich gezeigt, dass jene, die eine natürliche Abneigung gegen zu heiße Speisen und Getränke haben, auch am seltensten von Infektionen und deren Begleiterkrankungen betroffen sind.
Mymed: Haben Ihre Beobachtungen auch einen wissenschaftlichen Hintergrund?
Lütgendorff: Es hat sich in Tierversuchen und klinischen Experimenten gezeigt, dass eine lokale Hyperthermie, also eine Erhöhung der Temperatur in bestimmten Körperbereichen, bereits ab 44 Grad Celsius zu einem Absterben von Zellen führen kann. Diesen Effekt macht man sich auch bei der gezielten Zerstörung von Tumorzellen in der Krebsbehandlung zunutze. Die heißen Suppen und Getränke, die wir täglich zu uns nehmen, haben meist aber noch wesentlich höhere Temperaturen und werden mit 55 bis zu 70 Grad Celsius konsumiert. Auf den Körper wirkt das, als würde das Immunsystem einen Elefantentritt erhalten!
Mymed: Wenn die heißen Getränke wirklich so schädlich sind, warum läuten beim Trinken dann nicht unsere inneren Alarmglocken?
Lütgendorff: Beobachten Sie Tiere und kleine Kinder, die haben noch ein natürliches Gefühl für die Temperatur von Speisen und Getränken und nehmen nichts zu sich, das wärmer als die eigene Körpertemperatur ist. Im Laufe des Lebens gewöhnt man sich an die überhöhten Temperaturen, weil man oft keine Zeit hat, die Dinge abkühlen zu lassen. Diese Gewöhnung ist aber nur scheinbar, denn für unseren Körper ist die Hitze wie eine chinesische Folter: Sie verursacht zwar momentan keine Schmerzen, führt aber auf Dauer zu Problemen.
Mymed: Welche Probleme können das sein?
Lütgendorff: Viele entzündliche Prozesse in unserem Körper nehmen ihren Ausgang von der durch Hitze irritierten Gaumen- und Rachenschleimhaut, sowie von Speiseröhre und Magen, die ebenfalls direkt geschädigt werden. Es kommt zu grippalen Infekten, Influenza, Entzündungen der Rachenmandeln, Erkrankungen der Atemwege wie Asthma und chronischer Bronchitis, sowie zu Pollenallergien und Nahrungsmittelallergien. Auch Zahnfleischentzündungen und sogar die Psoriasis werden von geschädigten Schleimhäuten negativ beeinflusst.
Mymed: Lassen Ihre Beobachtungen den Umkehrschluss zu, dass durch den Konsum von lauwarmen Speisen und Getränken die meisten dieser Krankheiten vermieden oder geheilt werden können?
Lütgendorff: Selbstverständlich ist die Sanierung der geschädigten Schleimhäute die Grundvoraussetzung für jeden Heilungsprozess. Konkret heißt das, dass ein kranker Patient über mehrere Monate nichts zu sich nehmen sollte, das wärmer als 37 Grad, also die Körpertemperatur ist. Außerdem sollte er in den ersten Wochen auch keine kalten, sauren oder kohlensäurehältigen Getränke zu sich nehmen, damit sich die Schleimhäute wieder erholen können. Sind diese wieder regeneriert, können Saures und Kaltes wieder bedenkenlos verzehrt werden, während man auf Heißes für immer verzichten sollte!
Mymed: Heißt das, dass wir dann nie wieder krank werden können, wenn wir uns an Ihre Empfehlungen halten?
Lütgendorff: Das wäre wohl eine ziemliche Übertreibung. Aber selbst wenn es gelingt, durch diese einfache Vorsorgemaßnahme die große Anzahl an Asthma-Erkrankungen und an chronischer Bronchitis in der Bevölkerung zu reduzieren, ersparen wir nach meinen Berechnungen dem Staat im Jahr bis zu 10 Milliarden Schilling. Fünf Prozent der Österreicher leiden unter Asthma, 17, 5 Prozent an chronischer Bronchitis. Beides sind sogenannte teure Krankheiten, denn ein Asthmapatient kostet den Staat im Jahr 5.600 Schilling, ein Bronchitispatient 2.100 Schilling. Und beides sind Krankheiten, die meiner Erfahrung nach mit der 37-Grad-Therapie gebessert oder vollständig geheilt werden können.
Mymed: Eine letzte Frage noch: Wie kann man nun die ideale Temperatur seines Glühweins bestimmen?
Lütgendorff: Es gibt spezielle Lebensmittelthermometer, die man in das Getränk halten kann. Wem das zu mühsam ist, der soll einmal probeweise den kleinen Finger hineinhalten. Damit spüren wir die Temperatur noch wesentlich genauer als mit der hitzegewohnten Zunge und Mundschleimhaut!
Mymed: Herr Dr. Lütgendorff, wir danken für das Gespräch!
