Wiener, 11/95
Heißer Tipp
Feuer im Leib
Vor 6000 Jahren erfanden unsere Vorfahren dank feuerfester Tongeschirre das Kochen, und der eintönige Grill- und Rohkostspeiseplan war damit vorbei. Der Beginn der "Hot cuisine" war aber gleichzeitig Startschuss für eine Reihe von Zivilisationskrankheiten. Ein verblüffender Zusammenhang, den der Wiener Internist Dr. Heinz Lütgendorff-Gyllenstorm anhand der Krankengeschichten von 2700 erfolgreich behandelten Patienten beweist. Die Gewohnheit, Nahrung zu heiß und zu schnell einzunehmen, führt in Mund und Rachen oft zu Verbrennungen ersten und zweiten Grades. Viren, Bakterien und Allergene haben dann leichtes Spiel, diesen wichtigen Schutzschild unseres Körpers zu durchbrechen. Vom harmlosen Schnupfen bis zum lebensverkürzenden Asthma bronchiale reicht die Palette der durch ständige Schleimhautreizung geförderten Krankheiten.
Lütgendorffs Rezept dagegen ist ebenso simpel wie gratis und frei von Nebenwirkungen: Warme Speisen und Getränke vor dem Genuss immer auf Körpertemperatur abkühlen lassen. Außerdem in den ersten Wochen der Therapie saure, scharfe und kalte Nahrung meiden, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Die Temperatur wird mit einem Getränkethermometer kontrolliert; niemals ein Fieberthermometer verwenden, es würde in den bis zu 80 Grad heißen Suppen glatt zerspringen. Glühwein und heißer Tee mit Zitrone, die alten Hausmittel gegen Grippe, gelten ab sofort als geächtet. Erfolge zeigt die coole Therapie vor allem bei Allergikern. Denn intakte Schleimhäute werden mit Pollen, Hausstaub und anderen Allergenen normalerweise spielend fertig.
